Die 12 Kompetenzen: Ein transdisziplinäres Rahmenwerk für messbare Gesundheit

Die 12 Kompetenzen: Ein transdisziplinäres Rahmenwerk für messbare Gesundheit

Die Messung und Nachverfolgung von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz ist eine der größten Herausforderungen für moderne Organisationen. Viele Messinstrumente wurden aus isolierten Disziplinen entwickelt – die Immobilienbranche konzentriert sich auf den physischen Raum, während die Personalabteilung (HR) die Organisationskultur betrachtet – wodurch ein ganzheitliches Bild fehlt. Infolgedessen fällt es Unternehmen schwer, eine klare Verbindung zwischen ihren Investitionen (Leading Indicators, wie z. B. Belüftung) und den Endergebnissen (Lagging Indicators, wie z. B. niedrigere Krankenstände) herzustellen.

Eine aktuelle, von Loder et al. (2025) veröffentlichte Studie geht dieses Problem mit der Einführung eines transdisziplinären und adaptiven Rahmenwerks an, das entwickelt wurde, um die komplexe Beziehung zwischen Arbeitsplatz und Wohlbefinden messbar zu machen.

Warum ein ganzheitlicher Ansatz notwendig ist

Traditionell konzentrierte sich die Gesundheitsfürsorge hauptsächlich auf einen pathogenen Ansatz: die Reduzierung von Risiken. Der moderne Ansatz verlagert sich hin zu einer salutogenen Sichtweise, wobei der Schwerpunkt auf den Ressourcen und Umfeldfaktoren liegt, die das Gedeihen (Thriving) fördern.

Dieses neue Rahmenwerk basiert auf fünf miteinander verbundenen Datenebenen mit 12 Kernkompetenzen:

  • Individuelle Ebene: Hier werden subjektive Daten, oft durch Umfragen, zu Themen wie Gesundheit & Wohlbefinden und Gedeihen (Thriving) erhoben.
  • Organisationsebene: Umfasst Faktoren wie Organisationskultur & Engagement und Führungseffektivität, die das individuelle Wohlbefinden beeinflussen.
  • Umfeld-Ebene (Gebäude): Konzentriert sich sowohl auf objektive Messungen (wie die Ambient Environmental Quality von Luft und Licht) als auch auf die subjektiven Wahrnehmungen der Nutzer dieser Umfeldqualität.
  • Gemeinschaftsebene: Diese Ebene spiegelt die Auswirkungen der Organisation auf ihr Umfeld wider, einschließlich Themen wie Engagement in der Gemeinschaft & bei den Interessengruppen.
  • Globale Ebene: Verbindet Wohlbefinden mit umfassenderen Faktoren wie ESG (Environmental, Social & Governance) Transparenz & Berichterstattung.

Indem diese Ebenen miteinander verknüpft werden, zeigt das Rahmenwerk, dass eine breite Palette von Faktoren – von der Gebäudegestaltung bis hin zu globalen Vorschriften – die Effektivität der Mitarbeiter beeinflusst.

Vom Investieren zum Gedeihen (Thriving)

Das ultimative Ziel des Rahmenwerks ist es, ‚Thriving‘ – das Gedeihen – am Arbeitsplatz sowohl auf individueller als auch auf organisationaler Ebene zu messen. ‚Thriving‘ ist der dynamische Zustand, der entsteht, wenn individuelle Gesundheitsfaktoren (die die Performance Energy bestimmen) und organisationale Faktoren (die die Performance Motivation bestimmen) im Gleichgewicht sind.

Das Modell unterteilt die Kompetenzen in Leading Factors (wie IEQ-Bedingungen, Führung und Kultur) und Lagging Factors (wie Employee Effectiveness und Thriving). Diese Unterscheidung ist entscheidend, da sie Organisationen in die Lage versetzt, zu verstehen, welche Steuerungsfaktoren angegangen werden müssen, um ein gewünschtes Ergebnis zu erzielen.

Indem es sich auf disziplinübergreifende Schlüsselindikatoren konzentriert, macht dieses Rahmenwerk die systematische Messung und das Benchmarking von Gesundheit und Wohlbefinden machbarer. Dies passt nicht nur zu Wellnessprogrammen, sondern unterstützt auch die gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen (wie Social Governance innerhalb von ESG), über die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu berichten.

Zusammenfassung

Das transdisziplinäre Rahmenwerk der 12 Kompetenzen bietet Organisationen einen ganzheitlichen Fahrplan zur Messung der komplexen Dynamik von Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Es integriert Daten aus fünf Ebenen (individuell, Organisation, Umfeld, Gemeinschaft, global), um die Beziehung zwischen Leading Factors (Ursachen) und Lagging Factors (Folgen) transparent zu machen. Das Rahmenwerk definiert das Gedeihen (Thriving) als zentrales Ziel und ist adaptiv, sodass es mit der Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung wachsen kann. Dies bietet eine solide Grundlage für strategische Entscheidungen, die sowohl dem Wohlbefinden als auch der organisationalen Leistung zugutekommen.

 

Bron: Loder, A., Candido, C., Altomonte, S., Gray, W. A., Lindberg, C., Chung, S. S. E., Rothmann, I., Devine, A., Kawai, Y., Satish, U., & Augustin, S. (2025). Developing a transdisciplinary and adaptive framework to measure health and well-being for the workplace: the 12 competencies. Journal of Corporate Real Estate, 27(3), 238–258.