Polluted Job Search

Polluted Job Search

 

Schlechte Luft, niedrigere Lohnforderungen?

So beeinflusst Luftverschmutzung deine Jobsuche

Wer einen Job sucht, möchte klar denken, fokussiert bleiben und gute Entscheidungen treffen.
Doch was passiert, wenn die Luft, die man einatmet, diese Entscheidungen unbewusst beeinflusst?

Forschende der Universität Maastricht haben einen bemerkenswerten Zusammenhang entdeckt:
Schlechte Luftqualität senkt die Lohnforderungen von Arbeitssuchenden.
Mit anderen Worten: Menschen, die stärkerer Luftverschmutzung ausgesetzt sind, sind eher bereit, eine Stelle für weniger Gehalt anzunehmen.

 

Was wurde untersucht?

Die Studie nutzte Daten von über 7.000 Arbeitssuchenden in Deutschland.
Die Forschenden verknüpften den Zeitpunkt ihrer telefonischen Interviews mit der aktuellen Luftqualität (PM10-Feinstaubwerte) in der jeweiligen Wohnregion.

Da die Interviews zufällig terminiert waren, konnten die Wissenschaftler gut analysieren, welchen Effekt kurzfristige Luftverschmutzung auf das Verhalten der Befragten hat.

 

Was kam heraus?

  • Ein Anstieg der PM10-Konzentration um 12 µg/m³ (entspricht einer Standardabweichung) führt zu einer Senkung der geforderten Stundenlöhne um etwa 1,2 %.
  • Diese Reduktion der sogenannten „reservation wage“ – also des Mindestlohns, den jemand für eine Jobannahme verlangt – ist vergleichbar mit dem Einfluss von Risikoscheu oder finanziellen Engpässen.
  • Bei sehr hoher Luftverschmutzung (PM10 > 45 µg/m³) sanken die Lohnforderungen sogar um bis zu 4,2 %.

 

 Warum passiert das?

Die Forschenden identifizierten drei zentrale Verhaltensmechanismen:

Weniger aktive Jobsuche
Schlechte Luft führt zu weniger Bewerbungen. Weniger Aktivität = geringere Chancen auf gute Angebote = niedrigere Lohnforderungen.

Geringere Risikobereitschaft
Bei verschmutzter Luft sind Menschen vorsichtiger. Sie vermeiden Unsicherheiten und akzeptieren eher schlechter bezahlte Jobs.

Weniger Geduld
Luftverschmutzung verkürzt unbewusst die Zeitspanne, die Menschen bereit sind, auf ein besseres Angebot zu warten – sie entscheiden sich schneller für Sicherheit.

Diese Veränderungen im Verhalten wurden durch zusätzliche Fragebögen bei einem Teil der Befragten bestätigt.

 

Dauerhafter Effekt?

Um zu prüfen, ob diese Effekte auch für andere Jahre und Bevölkerungsgruppen gelten, wiederholten die Forschenden ihre Analyse mit Daten aus dem Sozio-ökonomischen Panel (SOEP) Deutschland von 2013 bis 2017.

Das Ergebnis war nahezu identisch:
Auch dort sank die Lohnforderung bei höherer Feinstaubbelastung.

 

Zusammenfassung

Arbeitssuchende, die kurz vor einem Bewerbungsgespräch stärkerer Luftverschmutzung (PM10) ausgesetzt waren, verlangten im Schnitt weniger Gehalt.
Ein Anstieg um 12 µg/m³ senkt die Lohnforderung um etwa 1,2 %.

Die Ursachen:

  • geringere Suchaktivität
  • erhöhte Risikoscheu
  • abnehmende Geduld

Dies ist die erste Studie, die zeigt, dass Umweltfaktoren wie Luftqualität wirtschaftliche Entscheidungen während der Arbeitslosigkeit beeinflussen können.

 

Quelle: 
Polluted Job Search: The Impact of Poor Air Quality on Reservation Wages
Mariët Bogaard, Steffen Künn, Juan Palacios, Nico Pestel
IZA Discussion Paper Nr. 17344, Oktober 2024